Die Geschichte der Rechtschreibung

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, warum Rechtschreibregeln wichtig sind. Dafür steigen wir in die Geschichte der Rechtschreibung ein. Sie erfahren etwas über Mönche und Adlige und darüber, wie ein Mann Wörter Fakten geschaffen hat. Fil schpass!

Warum Rechtschreibung wichtig ist

Natürlich haben Sie beim zweiten Nachdenken bemerkt, dass wir Ihnen „viel Spaß“ beim Lesen gewünscht haben. Sie merken: Einheitliche Rechtschreibung sichert das rasche Verstehen und erleichtert die Kommunikation. Einen winzigen Moment dachten Sie sicherlich darüber nach, was „fil schpass“ heißen soll.

Korrekte Rechtschreibung sorgt also dafür, dass wir Texte leicht und schnell erfassen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten über jeden Satz nachdenken – und sei es nur die Millisekunde, die Sie über „fil schpass“ nachgedacht haben. Lesen würde keinen Schpass Spaß mehr machen.

Vor allem wegen der allgemeinen Verständlichkeit wurde die einheitliche deutsche Rechtschreibung eingeführt. Konkret darüber nachgedacht hat man mit der Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871. Es sollte aber noch gut 30 Jahre dauern, bis es einheitliche Regeln gab. Doch wie war die Zeit davor? Blicken Sie mit uns in die Geschichte der Rechtschreibung.

Geschichte der Rechtschreibung beginnt mit Dialekten

Hinweise für Texte in deutscher Sprache liegen seit dem 8. Jahrhundert vor. Es waren vor allem die Mönche, die in ihren Klöstern in lateinischer Sprache, aber auch teilweise in deutscher Sprache geschrieben haben. Nun ja, deutsche Sprache … Damit ist zu jener Zeit der jeweilige Dialekt gemeint.

Das gemeine Volk und auch viele Adlige konnten nicht lesen und schreiben. Stattdessen wurde viel gesprochen und erzählt – jeweils im eigenen Dialekt. Die Dialekte waren dabei so ausgeprägt, dass sich die Menschen untereinander kaum verstehen konnten. Dazu hatten sie meist auch keine Gelegenheit, man blieb, wo man war. Diese sprachliche Zeit wird heute als Althochdeutsch bezeichnet, sie dauerte von 750 bis 1050.

Von der Ausbreitung der schriftlichen Sprache

Ab dem 11. Jahrhundert war es auch der Handel, die die deutsche Schriftsprache voranbrachte. Es wurde notwendig, dass sich Menschen verstanden, zudem wurden Verträge, Regeln schriftlich festgehalten.

Parallel dazu entwickelte sich die mittelhochdeutsche Literatur an den Höfen. Sie haben sicher von Walther von der Vogelweide und seinen überlieferten Werken gehört (geboren um 1170, gestorben um 1230). Oder von dem Nibelungenlied, das um 1200 von einem unbekannten Dichter verfasst wurde. Obwohl verschiedene Handschriften existieren, geht man von einem Verfasser aus.

Nun waren die Mönche in den Klöstern nicht mehr die einzigen, die schrieben. Die Höfe entwickelten sich mit ihrer Literatur zu geistig-kulturellen Zentren. Ab dem 14. Jahrhundert entstanden auch erste Universitäten im deutschsprachigen Raum. Die schriftliche Sprache breitete sich aus – wenngleich die breite Masse immer noch nicht lesen und schreiben konnte.

Das änderte sich ab 1450 mit der bahnbrechenden Erfindung von Johannes Gutenberg: den Buchdruck mit beweglichen Buchstaben, den sogenannten Lettern. Jetzt wäre auch eine einheitliche Schriftsprache gut gewesen. Denn die Buchdrucker wollten ihre Produkte im gesamten deutschen Raum verkaufen. Doch einheitliche Regeln für den deutschsprachigen Raum gab es nicht – was auch daran lag, dass das Heilige Römische Reich aus vielen Kleinstaaten bestand.

Jahrhunderte später scheitert eine Konferenz

Jahrhunderte später wurden erste Grammatiken herausgebracht, die Schreibregeln vorgaben. Die Gebrüder Grimm sammelten nicht nur Märchen, sie gaben ab 1854 ihr Deutsches Wörterbuch heraus. Dennoch schrieben immer noch alle so, wie es ihnen passte. Oft hatte jede Schule ihre eigenen Regeln.

Ob die Gründung des Deutschen Reichs 1871 endlich eine einheitliche Rechtschreibung brachte? Im Jahr 1876 kam es zur ersten „Orthographischen Konferenz“, in der eine einheitliche Rechtschreibung beschlossen werden sollte. Man sah den Bedarf und war eigentlich willens …

Diskussionsbedarf gab es zuhauf. Soll das Dehnungs-h nach Vokalen und Umlauten gestrichen werden: faren statt fahren? Ganz heikel war die Frage der gemäßigten Kleinschreibung: Können nur die Wörter am Satzanfang und Eigennamen großgeschrieben werden? All das und noch einiges mehr wurde debattiert, allerdings fand sich keine Einigung.

Konrad Duden, der Mann der Wörter Tat

Zu jener Konferenz war auch Konrad Duden (1829–1911) als Experte geladen. Der Gymnasiallehrer aus Thüringen befasste sich schon länger mit der deutschen Sprache. Er wusste um die Problematik der Uneinheitlichkeit und hatte bereits 1872 in seinem Buch „Die deutsche Rechtschreibung“ Lösungsvorschläge dafür gemacht.

Unter dem Eindruck der gescheiterten Konferenz machte sich Konrad Duden an die Arbeit. Auf Basis der preußischen und bayerischen Rechtschreibregeln publizierte er 1880 sein „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“, den Ur-Duden. Zwar war sein Buch für Schulen gedacht, doch war es so verfasst, dass man es auch in anderen Bereichen anwenden konnte.

Eine Mark kostete der erste Duden, was vergleichsweise günstig war. Im Vergleich: Ein Liter Milch kostete zu jener Zeit rund 25 Pfennige. Sicherlich trug der Preis zum Erfolg bei, mehr noch die Notwendigkeit einer einheitlichen Rechtschreibung. 1900 kam bereits die sechste Auflage des Wörterbuchs heraus.

Bei der „II. Orthographischen Konferenz“ von 1901 wurde Dudens Buch als Grundlage genutzt. In der 7. Auflage des Duden von 1902 waren die Ergebnisse der Konferenz bereits umgesetzt. Dudens Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis wurden als verbindlich für das Deutsche Reich beschlossen, Österreich-Ungarn und die Schweiz schlossen sich dem ebenfalls an. Einheitliche Regeln für die deutsche Sprache waren beschlossen – hurra! Doch damit endet die Geschichte der Rechtschreibung noch nicht. Vielleicht schreiben wir einen nächsten Beitrag über die Rechtschreibreformen …

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